Von der Vergeltung

MATTHÄUS 5, 38 – 42

38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

7 thoughts on “Von der Vergeltung

  1. Claus sagt:

    Warum spricht Jesus zunächst von der rechten Wange?
    Die römischen Besatzer pflegten Sklaven (und jüdische Bürger) mit dem Handrücken ihrer rechten Hand auf die rechte Wange zu schlagen. Wer als Geschlagener einem Römer daraufhin die linke Wange hinhielt, forderte ihn quasi damit auf, mit der Vorderseite der rechten Hand zuzuschlagen – und ihn somit nicht als Sklaven zu behandeln sondern wie einen römischen Bürger. Eine absolute Provokation! Widerstand gegen einen Römer zu leisten hätte hingegen zum sicheren Tod geführt. Das machte für Jesus keinen Sinn!

    In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Petrus bei der Verhaftung Jesu in Übereinstimmung mit der Prophezeiung ein Schwert führt! Als Jesus verhaftet wird schlägt Petrus einem der Schergen sogar ein Ohr ab! Dies widerspricht völlig einer blauäugigen Wehrlosigkeit!

  2. Claus sagt:

    Will Jesus, dass man all sein Hab und Gut verschenkt? Nein! Ein Schuldner wird vom Gläubiger vor´s Gericht gezerrt – ihm ist nichts geblieben als nur der Mantel und das letzte Hemd – und nun fordert der Gläubiger auch noch den Mantel! Jesus fordert den Schuldner auf, die Habgier des Gläubigers bloszustellen in dem man zusammen mit dem Mantel (der Nachts als Decke diente!) auch noch das Hemd anbietet um schlussendlich nackt vor dem Gericht zu stehen. Hier will Jesus also die Habgier des Gläubigers demonstrieren und ein Umdenken provozieren. Von dummer Unterwürfigkeit keine Spur!

    • Templarii sagt:

      Dass ist ja eine interessante Interpretation. So habe ich das noch nicht gesehen.

      Dass mit der Wange wusste ich aber schon. Danke für die Vertiefung.

      Templarii – recognoscere.wordpress.com

  3. Claus sagt:

    Laut römischen Recht durfte jeder römische Soldat einen Juden dazu zwingen, sein Gepäck genau eine Meile zu tragen. Wer nun freiwillig eine zweite Meile das Gepäck trug dürfte dadurch wohl in´s Gespräch mit dem Römer kommen – der ihn daraufhin möglicherweise nicht mehr als Sklaven sondern als Menschen wahrnehmen wird.

  4. Claus sagt:

    Von der Vergeltung und von der Liebe zu den Feinden
    Lukas 6, 27 – 36

    27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
    28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
    29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
    30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
    31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
    32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
    33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
    34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurück zu bekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
    35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
    36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!

  5. Claus sagt:

    “Auge für Auge und Zahn für Zahn.”, was für ein archaisches Gesetz! Ja, aber so archaisch es auch ist: es stellte zur damaligen Zeit eine Verbesserung dar! Denn es sagt: vergelte eine absichtlich begangene Tat nur mit (maximal!) Gleichem! Heute wird “Auge für Auge” oft als Aufruf zur bedingungslosen Rache verstanden, dem ist aber nicht so! Der Spruch des Alten Testament sagt: Wenn dir ein Zahn ausgeschlagen wird, nimm dem Täter nicht das Augenlicht. Jesus geht noch viel weiter: Der Täter muss zwar auch hier damit rechnen, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Das Opfer kann aber auch den möglicherweise besseren Weg wählen, auf die Vergeltung verzichten und den Ausgleich suchen. Damit kann eine Gewaltspirale beendet werden.

  6. Claus sagt:

    Sehr geehrter Claus,

    beeindruckende Auslegung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Claus

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