Von der Vergeltung

MATTHÄUS 5, 38 – 42

38 Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um (gegen) Auge und Zahn um (gegen) Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet (widersetzt euch nicht) dem, der Böses tut, (dem bösen Menschen) keinen Widerstand! Nein (im Gegenteil, sondern), wenn dich einer schlägt auf die [deine] rechte Wange [Backe], [dann] halte (anbieten, darbieten) ihm auch die andere hin.

40 Und wenn dich einer vor Gericht ziehen (verurteilen) will und dein Untergewand bekommen (nehmen, ergreifen) will, [dann] lass (gib) ihm auch den Mantel (das Gewand).

41 Und wenn dich einer zwingt, eine Meile [mitzugehen], [dann] geh mit ihm zwei.

42 Dem, der dich bittet, sollst du geben (gib) und von dem, der von dir borgen (leihen) will wende dich nicht ab.

Der Bibeltext (Studienfassung) ist verfügbar unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 auf offene-bibel.de



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Veröffentlicht21. April 2012 von Claus in Kategorie "Die Bergpredigt

7 COMMENTS :

  1. By Claus (Beitrag Autor) on

    Warum spricht Jesus zunächst von der rechten Wange?
    Die römischen Besatzer pflegten Sklaven (und jüdische Bürger) mit dem Handrücken ihrer rechten Hand auf die rechte Wange zu schlagen. Wer als Geschlagener einem Römer daraufhin die linke Wange hinhielt, forderte ihn quasi damit auf, mit der Vorderseite der rechten Hand zuzuschlagen – und ihn somit nicht als Sklaven zu behandeln sondern wie einen römischen Bürger. Eine absolute Provokation! Widerstand gegen einen Römer zu leisten hätte hingegen zum sicheren Tod geführt. Das machte für Jesus keinen Sinn!

    In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Petrus bei der Verhaftung Jesu in Übereinstimmung mit der Prophezeiung ein Schwert führt! Als Jesus verhaftet wird schlägt Petrus einem der Schergen sogar ein Ohr ab! Dies widerspricht völlig einer blauäugigen Wehrlosigkeit!

  2. By Claus (Beitrag Autor) on

    Will Jesus, dass man all sein Hab und Gut verschenkt? Nein! Ein Schuldner wird vom Gläubiger vor´s Gericht gezerrt – ihm ist nichts geblieben als nur der Mantel und das letzte Hemd – und nun fordert der Gläubiger auch noch den Mantel! Jesus fordert den Schuldner auf, die Habgier des Gläubigers bloszustellen in dem man zusammen mit dem Mantel (der Nachts als Decke diente!) auch noch das Hemd anbietet um schlussendlich nackt vor dem Gericht zu stehen. Hier will Jesus also die Habgier des Gläubigers demonstrieren und ein Umdenken provozieren. Von dummer Unterwürfigkeit keine Spur!

    1. By Templarii on

      Dass ist ja eine interessante Interpretation. So habe ich das noch nicht gesehen.

      Dass mit der Wange wusste ich aber schon. Danke für die Vertiefung.

      Templarii – recognoscere.wordpress.com

  3. By Claus (Beitrag Autor) on

    Laut römischen Recht durfte jeder römische Soldat einen Juden dazu zwingen, sein Gepäck genau eine Meile zu tragen. Wer nun freiwillig eine zweite Meile das Gepäck trug dürfte dadurch wohl in´s Gespräch mit dem Römer kommen – der ihn daraufhin möglicherweise nicht mehr als Sklaven sondern als Menschen wahrnehmen wird.

  4. By Claus (Beitrag Autor) on

    Von der Vergeltung und von der Liebe zu den Feinden
    Lukas 6, 27 – 36

    27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
    28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
    29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
    30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
    31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
    32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
    33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
    34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurück zu bekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
    35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
    36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!

  5. By Claus (Beitrag Autor) on

    “Auge für Auge und Zahn für Zahn.”, was für ein archaisches Gesetz! Ja, aber so archaisch es auch ist: es stellte zur damaligen Zeit eine Verbesserung dar!

    Zunächst mal der gesamte Text: (Exodus 21,23–25 Einheitsübersetzung):
    23 Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben,
    24 Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß,
    25 Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.

    Diese Regel gibt vor: vergelte eine absichtlich begangene Tat nur mit (maximal!) Gleichem! Heute wird “Auge für Auge” oft als Aufruf zur bedingungslosen Rache verstanden, dem ist aber nicht so! Der Spruch des Alten Testament sagt: Wenn dir ein Zahn ausgeschlagen wird, nimm dem Täter nicht das Augenlicht. Wenn jemand ein Mitglied deiner Familie verletzt, fordere nicht den Tod der ganzen Familie des Täters durch sinnlose Blutrache. Jesus geht im Neuen Testament sogar noch viel weiter: Der Täter muss zwar auch hier damit rechnen, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Das Opfer kann aber auch den möglicherweise besseren Weg wählen, auf die Vergeltung verzichten und den Ausgleich suchen. Damit kann eine Gewaltspirale beendet werden wie sie oft durch Fehden über mehrere Generation entstehen kann.

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